von Sylvia Lehua Rieder-Pucher
© Fotos: Simon Kupferschmied
Beim Bericht über unser Festival wurde aus Hula kurzerhand Hula-Hoop. Nach der ersten Empörung musste ich dann schmunzeln. Je länger ich darüber nachdachte, desto befremdlicher fand ich es allerdings. Gleichzeitig hat mich dieser Moment nachdenklich gemacht. Nicht wegen der Verwechslung selbst – solche Dinge passieren. Sondern weil sie etwas sichtbar macht: Viele Menschen kennen das Wort Hula, wissen aber erstaunlich wenig darüber, was sich dahinter verbirgt.
Das ist nicht überraschend. Wenn wir an Hawaiʻi denken, sehen wir oft Bilder von Palmen, Stränden, Surfern, Blumenketten und Tänzerinnen in Baströcken und Kokosnuss-BHs – Bilder, die mit der tatsächlichen hawaiianischen Kultur oft nur wenig zu tun haben. Diese Bilder begleiten uns seit Jahrzehnten in Filmen, Werbungen und Reiseprospekten.
Doch Hula ist weit mehr als eine touristische Attraktion.
Für die Menschen Hawai'is war und ist Hula eine Form des Erzählens. Lange bevor Geschichten aufgeschrieben wurden, bewahrte man Wissen auf andere Weise: durch Gesänge, Erzählungen und Bewegungen. Hula half dabei, Geschichten weiterzugeben, an historische Ereignisse zu erinnern und die Verbindung zu Land, Familie und Vorfahren lebendig zu halten.
Deshalb sprechen viele Kumu Hula – Hula-Lehrerinnen und Lehrer – nicht einfach von Tanz. Hula ist Ausdruck von Kultur, Geschichte und Identität.
Wie jede lebendige Tradition hat sich auch Hula im Laufe der Zeit verändert. Es gibt ältere und neuere Formen, unterschiedliche Stile und verschiedene Schwerpunkte. Doch unabhängig von diesen Unterschieden bleibt ein Gedanke zentral: Hula erzählt Geschichten. Er ist Bewegung, Erinnerung und getanzte Sprache zugleich.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich die Verwechslung mit Hula-Hoop nicht losgelassen hat. Beide Wörter klingen ähnlich. Doch während Hula-Hoop für viele ein Spielgerät oder Fitnessgerät ist, öffnet Hula die Tür zu einer Kultur, deren Geschichte weit über die bekannten Postkartenmotive hinausgeht.
In den kommenden Monaten möchte ich auf diesem Blog immer wieder solche Türen öffnen: zur hawaiianischen Sprache, zu Legenden und Traditionen, zu Festen wie dem Makahiki und zu den Menschen, die ihre Kultur über Generationen hinweg bewahrt haben.
Denn hinter dem Wort „Hula“ verbirgt sich viel mehr als ein Tanz.
Es ist der Anfang einer Geschichte.........
